In dem mazatekischen Dorf San Jeronimo Tecoatl produziert seit 8 Jahren eine Frauenkooperative Konserven und Marmeladen von Obst und
Gemüse aus eigenem Anbau. Sie bestreiten damit einen großen Teil des Lebensunterhalts ihrer Familien. Im Moment arbeitet
die Kooperative in einem schadhaften zweigeschossigen Haus.
Diese Produktionsstätte ist zu klein, baulich unzureichend und kann kaum den grundlegenden Anforderungen an Hygiene standhalten.
Diese Kooperative versucht schon seit 3 Jahren, eine neue Produktionsstätte mit Arbeitsküche, Einkochraum, Lagerräumen, Büro und
Schulungsraum zu bauen, es fehlen ihnen aber die finanziellen Mittel.
Am Anfang war eine Aufstockung des bestehenden Gebäudes im Gespräch, dies lehnten wir aber aus statischen Gründen ab.
Nun hat die Kooperative 10 Min. außerhalb des Dorfkerns ein neues Grundstück erworben und wartet sehnsüchtig auf ihre neue Manufaktur.
Frauen der Kooperative Naxji; Produkte: eingemachte Pfirsiche, eingelegte Gemüse zum Verkauf; aktuelle Einkochküche
Entwurf / Masterplan
Die Gemeinde von Zaachila wünschte sich auf dem Gelände der örtlichen Kirche einen Erweiterungsbau für den Unterricht
und die Freizeitgestaltung ihrer Kinder mit acht neuen Schulräumen
einer Bibliothek und einem multifunktionalen Versammlungsraum.
Das Grundstück für das Bauvorhaben befindet sich
rückseitig der Kirche und auf dem Gelände eines ehemaligen Klosters.
Es ist von einer etwa 3 m hohen Mauer umgeben, welche dem Ort einen besonderen, introvertierten Charakter verleiht;
gleichsam einer Insel im Zentrum der kleinen Stadt.
Es wurde ein Masterplan entwickelt, dessen Entwurfskonzept der ortstypischen Bebauungsstruktur folgt. Dieser Masterplan
sieht vor, dass sich die Volumen der geplanten Gebäude entlang der vorhandenen Grundstücksmauer
orientieren. Ein plastischer Umgang mit dem Ort, als Spiel von bebauter Fläche und dem sich daraus ergebendem Freiraum,
führt als Analogie zu den bestehenden Kirchenbauten, zu einem Netz von Höfen und "Kreuzgängen".
Der Entwurf sieht vor, dass der Neubau an den Gebäudebestand anschließt und die Nutzung von alt und neu direkt miteinander verbindet.
An die vorhandene Umgebungsmauer sind geschlossene Strukturen angelehnt, die die Schulräume beinhalten.
Diese Räume werden mittels eines Riegels, der quer über den Hof spannt, verbunden.
In einer offenen Struktur befinden sich der Versammlungsraum und die Bibliothek;
an seinen geschlossenen Enden jeweils ein Unterrichstraum. Die zentrale Position ermöglicht eine Verbindung zwischen den Schulräumen
und teilt gleichzeitig das Grundstück in Höfe unterschiedlicher Aktivitäten. Umlaufende Laubengänge erschließen<
die neuen Schulräume, ermöglichen vielfältige Nutzungen und spenden Schatten.
Der entwickelte Masterplan bildet die Grundlage für die Bebauung des gesamten Areals.
Wegen des großen Umfangs konnten nicht alle Baumaßnahmen in einem Schritt realisiert werden.
Wir entschlossenuns in Absprache mit der Gemeinde als erstes Bauteil den mittleren Querriegel zu errichten.
Von ihm ausgehend kann die Gemeinde dann in weiteren Bauschritten, entsprechend des Masterplans die weitere Gebäude realisieren.
Das Grundstück wurde bislang direkt über einen Patio des alten Klosters oder über einen Wirtschaftseingang von einer Nebenstrasse aus erschlossen.
Die Schule befindet sich damit sozusagen im Hinterhof des Klosters. Der Entwurf sieht vor,
dass in Zukunft dieser Hof direkt vom zentralen Kirchplatz aus erschlossen werden kann und somit der ursprüngliche Zugang wiederhergestellt wird.
Besucher sollen zukünftig vom Kirchplatz kommend über die Treppe, an der Kirche vorbei, direkt zum Schulgelände gelangen.
Damit wird die Schule wahrnehmbar in der Stadtstruktur verankert.
Schon in einer sehr frühen Phase des Entwurfs war es notwenig sich mit den Themen der Erdbebensicherheit, der &OUML;kologie,
den begrenzten finanziellen Mitteln und der sehr kurzen, und damit notwendigerweise effektiven Bauzeit auseinanderzusetzen.
Konstruktion
Unser Entwurfsansatz sollte einem baukonstruktiven Minimalismus folgen. Wir entschieden uns dafür, die eingeschossige Primärkonstruktion als
modulares Holzbausystem zu entwickeln, welches auf einem regelmässigen Raster - analog zum Bestand bassiert. Die Proportion der Konstruktion
folgt der inneren Logik der vor Ort üblichen Größen von Holzbauteilen. In Mexiko werden Holzteile für den Transport konsequent
auf eine Länge von 2,5 m geschnitten. Dies entspricht der Ladebreite der ortsüblichen LKW.
Jedes, im Entwurf und später in der Realisierung verwendete Holzbauteil,
lässt sich auf eine Ursprungsgrösse von 15x5x250 cm zurückführen und ist in allen additiven Bauteilen als solches zu erkennen. Die Holzkonstruktion
ist auf einem gestuften Stahlbetonsockel errichtet, der topografisch gelesen werden kann, so die verschieden Nutzungen hierarchisiert und die Konstruktion vor Wasser schützt.
In der Entwurfsarbeit für die kleine Schule in Zaachila war es wichtig, sich klarzumachen, welche besonderen
Anforderungen an den Außenraum in Mexiko zu erfüllen sind. Das Klima erlaubt, dass ein Großteil des Lebens draußen im Freien stattfindet.
Der Außenraum gleicht einem erweiterten Wohn-zimmer und dient dem Sitzen, Versammeln und Feiern. Er ist aber auch Wirtschaftsbereich und steht in direktem Bezug
zu den Wohnhäusern. Wegen der starken Sonneneinstrahlung ist der Aufenthalt im Freien kaum ohne Sonnenschutz möglich, daher ist es besonders wichtig, verschattete Plätze zu schaffen.
Dies bedeutet für den Freiraum eine intensive Nutzung und starke Bewegungsströme in alle Richtungen, die bei der Planung der Durchwegung berücksichtigt werden mussten.
Ansprechende und sichere Spielplätze für die Kinder gibt es in Mexiko kaum. Dies bedeutet aber nicht, dass es keinen Bedarf gibt. Es bedeutet, dass die Kinder, wie sie es ihren Bedürfnissen folgend immer tun,
alles bespielen was für sie erreichbar ist und ihre Phantasie anregt.
Daraus ergibt sich die Aufgabe für alle Gebäude einen nicht vorhersehbaren Gebrauch zu ermöglichen, aber auch dem Spielen einen eigenen Bereich mit kindgerechten Geräten einzuräumen.